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Zimbabwe - Woche 3

  • Autorenbild: Basti
    Basti
  • 9. Jan. 2019
  • 7 Min. Lesezeit

Dieser Beitrag wird weniger ein Reisebericht, sondern mehr ein Lagebericht zu Zimbabwe und wie wir es in den letzten Tagen erlebt haben. Bevor ich jedoch loslege eine Kurzzusammenfassung der neusten Geschichte Zimbabwes (ohne Garantie auf absolute Korrektheit).

Zimbabwe ist eine ehemalige Kolonie Grossbritanniens. Gemeinsam mit dem heutigen Sambia bildete es Nordrhodesien (Sambia) und Südrhodesien (Zimbabwe). Während Sambia bereits 1964 unabhängig wurde, konnte sich Zimbabwe erst 1980 von der Krone lösen. Seither machte es turbulente Zeiten durch. In den 90er Jahren galt Zimbabwe als eines der wirtschaftlich stärksten Länder Afrikas. Insbesondere der Agrarsektor und der Rohstoffhandel (weltweit zweitgrösste Platinvorkommen, Gold, Diamanten, Kupfer, Zink, Lithium uvm.) waren massgeblich für die starke Wirtschaft verantwortlich. Von dort kommt auch der Name «Kornkammer Afrikas». Heute, rund 25 Jahre später, ist davon gar nichts mehr übrig. Die Arbeitslosenquote liegt bei über 90%, die meisten Güter müssen aus dem Ausland importiert werden, die eigene Währung wurde infolge der Hyperinflation abgeschafft und ein US Dollar Bond eingeführt, welcher 1:1 an den US Dollar gebunden ist (quasi ein Schuldschein, der dem Besitzer das Recht einräumt diesen Schuldschein bei der Reserve Bank of Zimbabwe gegen einen echten Dollar tauschen zu können, in der Theorie). Tatsächlich ist der US Dollar jedoch fast dreimal soviel wert wie der Bond. D.h. man muss immer fragen was der Preis ist, wenn man in echten Dollars bezahlt. Das Land leidet zudem unter akuter Treibstoff- und Energieknappheit. Dies als Vorinformation.

Vom Gonarezhou Nationalpark wollten wir in das östliche Hochland um der Hitze zu entfliehen und die Gegend ein wenig zu Fuss zu erkunden. In Chiredzi der nächst grösseren Stadt kauften wir eine SIM Karte, damit wir wieder mal ein bisschen Internet hatten und wir versuchten Diesel fürs Auto und Gas für unseren Kocher zu bekommen. An der ersten Tankstelle war gar nichts los, wir versuchten es trotzdem. Der Tankwart sagte uns, dass er uns Diesel geben könne, weil wir Touristen seien und in echten US Dollar bezahlen. Das ging ja einfach. Als wir dann in die Stadt hinein kamen, sahen wir schon die ewigen Schlagen vor den Tankstellen die noch Treibstoff hatten. Wir fanden auch noch einen Händler, der unseren Gaskocher auffüllte. Für 2kg Gas wollte er 13 US Dollar. Wir dachten, er zieht uns jetzt so richtig über den Tisch, doch nachdem wir insistierten zog er die offizielle Preisliste hervor und tatsächlich, das Gas war so teuer. In Südafrika bezahlte ich für 3kg Gas gerade mal 5 US Dollar.

Als wir weiterfuhren wurde das Wetter schlechter und schlechter. Zwar war die Temperatur angenehm kühl, jedoch goss es aus Kübeln. In den Highlands angekommen, empfing uns dichtester Nebel und Regen. So entschlossen wir den Campingplatz links liegen zu lassen und in ein Hotel zu gehen. Im altehrwürdigen Leopard Rock Hotel liess es sich sehr gut leben. Eine riese Anlage mit Game Reserve, Golfplatz, Swimmingpool etc. Das Hotel wurde von einem Briten in den 1930er Jahren gebaut und hatte auch schon royalen Besuch. 1954 kam die Queen Mum auf Besuch und in den 1990er Jahren war Lady Di hier zu Gast. Wir unternahmen einen Forestwalk durch den dichten Dschungel und besichtigten das Game Reserve. Beides sehr interessant. Am Nachmittag gönnten wir uns dann Kaffee und Kuchen bei Tony, einem von wenigen weissen übriggebliebenen in Zimbabwe der dort in der Nähe ein Kaffee betreibt. Beim Blick in die Karte fühlten wir uns für einen Moment in der Schweiz. Der Kuchen kostete 14 USD und ein Kaffee 7 USD. Hoppla. Wollte man in Bonds bezahlen, so kostete alles doppelt so viel. Die rund 20 USD waren es jedoch absolut wert. Es war herausragend.

Unsere Weiterfahrt war begleitet von langanhaltendem Regen und so beschlossen wir wiederum in einem Hotel einzukehren um am nächsten Tag den geplanten langen Schlag über Mozambique nach Malawi zu machen. Früh morgens fuhren wir los und es ging auf Teer- und Schotterstrasse durch grüne Wälder. Entlang der Strasse wohnten einfache Bauern in ihren einfachen Rondavels und bestellten einen kleinen Acker und hielten ein paar Kühe, Ziegen und Hühner.

Wir wussten, dass auf der Strecke eine kaputte Brücke zu passieren ist, man jedoch über den Fluss fahren kann. Nach drei Stunden kamen wir an der Brücke an und wir wussten beide sofort, dass eine Überquerung dieses Flusses unmöglich ist. Aufgrund der starken Regenfälle war dieser teilweise sehr hoch und deshalb unpassierbar. Ein junger Mann, den wir bei der Brücke antrafen sagte uns, dass der Fluss über hüfthoch ist. Da es keine Alternativroute gab, mussten wir denselben Weg wieder drei Stunden zurückfahren, was ziemlich auf unsere Stimmung schlug. 6h Autofahrt für die Katz.

Wir mussten einen riesen Umweg über die Hauptstadt Harare fahren, um nach Malawi zu kommen. Das dauerte mind. 1 bis 2 Tage länger. In der betrübten Stimmung entschlossen wir kurzerhand unsere Reiseziele zu ändern, nicht nach Malawi und weiter nördlich zu fahren, sondern noch ein wenig in Zimbabwe zu bleiben und anschliessend nach Mozambique an die Küste zu fahren.

In der Nähe von Mutare liessen wir uns in einem schönen Chalet nieder, da es immer noch sehr viel regnete und der Campingplatz sehr pflotschig war. Tags darauf konnten wir eine nahegelegene Tabakfarm besichtigen was uns das Ausmass der wirtschaftlichen Misere aufzeigte. Peter, der Eigner der Farm, führte uns über sein Anwesen und erklärte wie sie seit Jahren versuchen zu überleben. Sein Grossvater kam als junger Mann nach Zimbabwe und startete mit dem Tabak und Weinanbau. Die Hauptproduktion liegt immer noch im Tabakanbau, jedoch wird dieser so stark besteuert, dass es sich fast nicht mehr lohnt. Von einem Dollar Umsatz verbleiben noch 35 Cent nach Steuern. Die Lohn- und Materialkosten sind dann aber noch nicht gedeckt. Ebenso der Wein wird so stark besteuert, dass Peter in den letzten Jahren die Anbaufläche von 30 auf 10 Hektar reduzierte. Auf den frei gewordenen Flächen baut er nun Macadamia- und Pekannüsse sowie Oliven an, da der Marktpreis dafür um einiges höher ist und auf diesen Gütern keine Abgaben erhoben werden. Auf meine Frage, ob er damit nicht das Risiko erhöhe vom Staat enteignet zu werden, entgegnete er: «you cannot stop breathing – da kannst nicht aufhören zu atmen». Auf die Enteignungen angesprochen zeigte er mit dem Finger in die Landschaft und zeigte uns all die Farmen die vor Jahren von der Mugabe Regierung enteignet wurden, damit darauf die schwarze Bevölkerung Landwirtschaft betreiben kann. Die Farmer mussten fliehen oder wurden getötet. Das gesamte Land auf das er zeigte liegt brach, nur eines nicht, denn das gehört dem Innenminister, wo er sich ein schönes Ferienhaus drauf gestellt hat – und das in einem Land wo 45% der Bevölkerung an Unterernährung leidet, weil es keine einheimischen Produkte gibt und die Importgüter viel zu teuer sind. Mit Grauen musste ich immer wieder an Südafrika denken, denn dort hat die Regierung genau dasselbe vor. Man möchte die weissen Farmer entschädigungslos enteignen und der «einheimischen» Bevölkerung zurückgeben. Jedoch ist überhaupt nicht klar, wer das Land erhalten soll und vor allem geht sämtliches Know-how auf einen Schlag verloren. Man versucht hier geschehenes Unrecht wieder gut zu machen. Die Konsequenzen werden für alle Beteiligten jedoch verheerend sein, dies wird der wählenden Bevölkerung aber schön verschwiegen. Hauptsache Wählerstimmen und Macht, um sich die eigenen Taschen zu füllen.

Nebst der Landwirtschaft hat Peter noch eine Lastwagengarage aufgebaut, quasi als Versicherung, sollte er in Zukunft von einer Landenteignung betroffen sein. Wir diskutierten mit ihm 2.5h über die Probleme von Zimbabwe, über Europa und dass er am liebsten nach Island oder Sibirien auswandern möchte, einfach irgendwohin wo ihm keiner ständig über die Schulter schaut. Es höchst interessant. Hoffnung hörte man aus seinen Worten jedoch keine heraus, denn auch als Peti ihn fragte was es Positives gebe, sagte er: «absolutely nothing».

Ziemlich konsterniert diskutierten Peti und ich bis spät in die Nacht und fanden es so extrem schade, dass so ein schönes Land mit so enorm freundlichen Leuten (wir trafen nicht eine unfreundliche Person oder fühlten uns in irgendeiner Situation gefährdet) und so vielen Chancen mit fruchtbarem Boden und Rohstoffen einfach vor die Hunde geht.

Da wir mittlerweile länger in Zimbabwe waren als ursprünglich geplant, gingen essentielle Güter zur Neige. Bier, Chips und Diesel waren Mangelware. So suchten wir in Mutare einen Laden auf, wo wir unsere Vorräte aufstocken konnten. Die Regale waren zu bersten voll, jedoch konnte man sich die Güter kaum leisten. Alles war unfassbar teuer. So wurden halt keine Chips gekauft und Bier gab es nur 5 kleine Flaschen. Als ich an der Kasse war, sagte mir die Kassiererin, dass nur drei Flaschen pro Kunde erlaubt seien. So reduzierte ich auf drei und anschliessend fragte sie mich noch wo die leeren Flaschen sind. Ich sagte ihr, dass ich keine leeren Flaschen habe, da ich von Südafrika her gekommen sei, worauf sie entgegnete, dass ich nur volle Flaschen kaufen könne wenn ich die alten zurück bringe. Ein bisschen verdutzt erklärte ich ihr dann, dass ich so aber nie beginnen könne Bier zu trinken. Mit ganz grossen Augen schaute sie mich an und sagte: «that’s true». So liess ich auch die drei Flaschen an der Kasse stehen, bedankte mich für die interessante Lektion und verliess den Laden.



Diesel war nicht zu bekommen, bzw. musste man dafür ca. einen Tag anstehen. Wir werden unser Glück woanders versuchen.


Unser heutiges Ziel war das Save Valley Conservancy. Ein Naturreservat mit den Big 5 (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard). Nach langer Fahrt kamen wir am Gate an, doch der Wärter liess uns nicht rein, denn er sagte, es gebe keine Übernachtungsmöglichkeit im Reservat. Das Internet war da jedoch ganz anderer Meinung. Wir fuhren 24km zurück in die nächste grössere Ortschaft wo es angeblich ein Parkoffice gibt. Das Parkoffice war jedoch kaum ausgeschildert und erst nach mehrmaligem Nachfragen fanden wir ein Häuschen, was nach einem Wohnhaus aussah, wo ein Ranger ziemlich verpennt rauskam und sich noch sein Hemd überstreifte. Er gab uns zwei Telefonnummern von Unterkünften im Park, jedoch konnten wir niemanden erreichen. Wir versuchten auch noch ein paar Skype Anrufe, E-Mail und SMS doch irgendwie schien niemand zu antworten. Ziemlich deprimiert entschieden wir uns nach Masvingo zu fahren, um die Ruinen von Great Zimbabwe zu besichtigen. Wieder 3h Autofahren und der Diesel wurde knapper und knapper. Sämtliche Tankstellen, die wir unterwegs ansteuerten waren trocken. Alle sagten: «tomorrow, tomorrow». Abends kamen wir auf einem tollen Campingplatz an, wo wir eine wunderbare Sicht auf einen See und die Berge hatten. Mal schauen wie’s weitergeht.

Es gibt noch so viel zu erzählen über Zimbabwe, jedoch ist das schwierig in einem Blog zu beschreiben. Am besten ist, man kommt selbst vorbei und macht sich ein Bild von diesem spannenden Land. Eines ist garantiert, man wird mit offenen Armen empfangen.

 
 
 

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