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Nordwärts - Woche 2

  • Autorenbild: Basti
    Basti
  • 5. Jan. 2019
  • 6 Min. Lesezeit

Nach den tollen Tagen in Lesotho und den Drakensbergen fuhren wir für drei Nächte nach Johannesburg, wo noch einiges erledigt werden musste. Da wir am 21. Februar von Johannesburg aus nach Zürich fliegen werden, wollten wir noch einiges an Gepäck dort lagern damit wir das nicht die ganze Zeit durch halb Afrika fahren müssen. Meine grosse Reisetasche, meinen Unirucksack und eine kleine Tasche von Petra konnten wir beim Sohn von Steven (einem guten Freund von Neil, unserem Vermieter in Hout Bay) einstellen. Nun hatten wir wieder richtig viel Platz im Auto und eine Sorge weniger.

Des Weiteren musste ich die Hupe von unserem Hilux reparieren lassen. Als wir von Kapstadt losfuhren war diese noch vollkommen intakt, doch unterwegs hat sie irgendwie den Geist aufgegeben. Und ohne Hupe in Afrika herumzufahren ist wie mit drei Rädern unterwegs zu sein. Die erste Toyota Garage die wir ansteuerten sagte uns, dass das Spiral Kabel im Lenkrad kaputt sei, sie aber kein Ersatzteil an Lager haben. Sämtliche Toyota Garagen im Raum Johannesburg hätten kein so Teil und man müsste es bestellen, was bis nächste Woche dauern würde. Nur, so viel Zeit hatten wir nicht. Ich musste also wieder einmal eine afrikanische Lösung finden. Auf einer Internetplattform fand ich einen Händler der das Teil an Lager hatte. Nachdem ich ihm eine E-Mail, ein Whatsapp und ein SMS geschrieben habe, antwortete er, dass ich das Ding heute noch abholen könne. Gesagt getan. Während Peti im Hotel blieb, setzte ich mich ins Auto und fuhr durch ganz Johannesburg um das Spiral Kabel zu holen. Als ich dieses hatte, fuhr ich zur nächsten Toyota Garage damit sie mir das Ding einbauen können. Obwohl ich schon einige Sachen an meinem Auto selbst repariert hatte, das traute ich mir nicht zu, denn man musste den Airbag und das Lenkrad ausbauen. Nach gut zwei Stunden war das alles erledigt und ich war wieder im Hotel. Am nächsten Morgen wurden noch die Räder rotiert und neu ausgewuchtet und das Auto war wieder klar für die bevorstehenden Aufgaben.

Da unser nächstes Ziel Zimbabwe hiess, und es nach der Robert Mugabe Ära leider nicht viel besser wurde – im Gegenteil, mussten wir noch einiges an Lebensmitteln einkaufen. Zimbabwe hat aktuell grosse Probleme mit Treibstoff, Wasser und importierten Lebensmitteln. Zudem wurde die lokale Währung wegen anhaltender Hyperinflation abgeschafft und durch den US Dollar ersetzt. Da jedoch zu wenige US Dollar im Umlauf sind, hat die Regierung US Dollar Bonds ausgegeben, genannt Ecocash, was das Ganze nicht einfacher macht. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Nachdem wir die Vorzüge einer Grossstadt ein letztes Mal genossen haben (Sushi, asiatisches Essen, Hotelzimmer, Sauna) brachen wir am 30. Dezember in Richtung Norden auf. Ziel war zunächst das nördliche Ende des Krüger Nationalparks. In Punda Maria schlugen wir unser Zelt direkt neben einem Wasserloch auf. Schon bald kamen die ersten Büffel und Elefanten um sich abzukühlen und zu trinken.

Für eine reine Transitübernachtung nicht schlecht. Da in Südafrika noch immer die grossen Ferien andauerten, war der Camping ziemlich voll, war für uns eher ungewohnt war. Nach einer sehr sehr warmen Nacht kauften wir am nächsten Morgen nochmals ein paar Wasserkanister und tankten das Auto nochmals voll, denn ab jetzt war die Versorgungslage eher prekär.

Der Grenzübergang zu Mozambique war relativ harmlos. Nach ca. einer Stunde war alles erledigt. Nur der letzte Zollbeamte fragte dann noch nach einem «cool drink». Wir drückten ihm ein Cola Zero in die Hand, auch wenn uns dabei nicht wohl war, denn wir brauchten unsere Lebensmittel ja selbst. So beschlossen wir zukünftig nichts mehr zu geben. Nach ein paar Kilometern durch den Busch trafen wir in unserem Camp der Dumela Wilderness Safari ein. Ein grosszügiger Stellplatz direkt an einer Lagune des Limpopo. Die Nachmittagssonne prügelte auf uns ein und obwohl wir einen schattigen Platz hatten, war es einfach nur heiss, heiss, heiss. Trotz kalten Getränken und dem Ventilator wurde es kaum besser. Wir lagen wir tote Fliegen auf unserer Picknickdecke und warteten bis es besser wurde. Gegen Abend schaute dann Jackson vorbei - er ist für die Campingplätze verantwortlich – und fragte uns, ob wir die Affen sehen wollen. Wir liefen mit ihm ein wenig im Busch herum und schauten den verschiedenen Affen zu. Danach offerierte er uns noch eine Bootsfahrt auf der Lagune die wir dankend annahmen.

Da heute ja Silvester war, gönnten wir uns ein exquisites Essen. Wir grillten ein Schweinsfilet an einer Honig-Senfmarinade und als Beilage gab es mein berühmtes Safranrisotto. Dem Anlass entsprechend stiessen wir mit einer Flasche MCC (Methode Cap Classique – der südafrikanische Champagner) an. Bis Mitternacht hielten wir jedoch nicht durch, so verbrachten wir den Jahreswechsel schlafend und schwitzend im Zelt.

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Zimbabwe. Doch bevor wir die Grenze passieren konnten, mussten wir noch zwei natürliche Grenzen überwinden. Als erstes durchquerten wir den Limpopo, der fast gar kein Wasser führte. Die Regenzeit hatte – zum Glück für uns – noch nicht richtig begonnen, denn sonst wäre eine Durchquerung nicht möglich gewesen. Nach dem Limpopo mussten wir noch den Nuanetsi durchqueren, der überhaupt kein Wasser führte.



So kamen wir nach gut zwei Stunden auf einem Offroad-Track, welcher uns durch kleine Kommunen führte, in Chiqualalquala an. Bei der Ausreise aus Mozambique ging alles ziemlich rassig, doch der letzte Zollbeamte fragte uns wiederum nach einem «cool drink». Wir sagten ihm, dass wir nach Zimbabwe fahren und, dass es dort gar nichts gibt und wir ihm deshalb nichts geben. Er war nicht sehr erfreut, gab uns unsere Pässe jedoch trotzdem und öffnete die Schranke. Bei der Einreise in Zimbabwe eröffnete sich uns ein komplett anderes Bild. Bereits als wir das Immigrationoffice betraten begrüssten uns alle Anwesenden sehr freundlich und wünschten uns ein gutes Neues Jahr. So möchte man doch in einem Land empfangen werden. Die Formalitäten waren dann auch schnell erledigt, nur bei der letzten Schranke mussten wir noch eine halbe Stunde auf einen Beamten warten, der bereits in der Mittagspause war. Dies war dann jedoch auch schnell erledigt und wir konnten weiterfahren.

Kurz nach der Grenze, mussten wir bereits den Gonarezhou Nationalpark durchqueren. Eine ca. 60km lange schnurgerade Schotterpiste. Mit 80 km/h fuhren wir gedankenverloren über die Piste und dann plötzlich sprang ein ausgewachsenes weibliches Kudu auf die Strasse. Peti hielt sich überall fest und ich machte eine Vollbremsung. Mit einem Riesensatz sprang das Kudu weiter. Das hätte für alle Beteiligten böse enden können. Mit dem Schrecken in den Knochen fuhren wir nun nur noch mit 60km/h und sehr aufmerksam weiter.

Um zu unserem Campingplatz zu kommen gab es zwei Wege. Einen langen und einen kurzen, der jedoch über den Runderiver führt. Die Brücke über den Fluss wurde im Jahr 2000 durch den Zyklon Elin zerstört und wurde seither nicht mehr wieder aufgebaut. Da wir schon lange unterwegs waren, entschieden wir uns für den kurzen Weg in der Hoffnung den Fluss überqueren zu können. Glücklicherweise führte auch der Runderiver nur wenig Wasser, so dass wir das dritte Rivercrossing an diesem Tag erfolgreich absolvierten. Die Campsite war – entgegen unserer Erwartung – der absolute Hammer. Direkt am Fluss gelegen mit einem kleinen Hüttchen und viel Platz. Im Fluss badeten ca. 20 Hippos und ab und zu schwamm ein Krokodil vorbei. Als wir auf dem Camping ankamen waren gerade noch zwei Elefanten daran sich zu verpflegen, auch auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses konnte man den Elefanten vom Campingplatz aus zuschauen wie sie sich abkühlten und frassen. Einfach traumhaft.

Die Nacht war wieder heiss, heiss, heiss und zudem stimmten die Hippos gemeinsam mit den Affen und den Vögeln zu einem langandauernden Buschkonzert ein.

An nächsten Morgen meldete sich die Reifendruckanzeige mit 0.7 bar beim linken hinteren Reifen. Das war doch ein bisschen wenig. Von blossem Auge konnten wir keinen Fremdkörper im Reifen ausmachen, so bearbeiteten wir ihn mit Seifenwasser. Und siehe da, auf der Lauffläche blubberte es heraus. Schon früh am Morgen hiess es also Reifenreparatur. Ich montierte das Rad ab und holte mit einer Spitzzange den ca. 5cm langen Nagel aus dem Reifen. Zum Glück steckte dieser senkrecht drin, so sollte die Reparatur einfacher sein. War sie aber nicht. Irgendwie war das Loch zu klein um den Pfropfen durchzudrücken und ich musste drei Anläufe nehmen bis dieser sauber im Reifen versenkt war. So hatte ich mir den Morgen bei bereits über 30°C nicht vorgestellt. Schweissgebadet und dreckig verschwand ich schnell in der Dusche bevor es dann Frühstück gab. Mit geflicktem Reifen erkundeten wir den Park. Wir waren praktisch allein und sahen den ganzen Tag nur ein anderes Auto. Auch die Landschaft und die Tierwelt war spektakulär. Im Vergleich zu Südafrika und Botswana war alles grün soweit das Auge reicht.

Wir waren so fasziniert von unserer Umgebung, dass wir uns dazu entschlossen noch eine Nacht hier zu bleiben bevor es dann weiter nordwärts in Richtung östliches Hochland geht (in der Hoffnung der Hitze ein wenig zu entkommen).

 
 
 

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