Auf dem Boden der Tatsachen zurück
- Basti
- 20. Mai 2018
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Mai 2018
Und da ist es wieder, das Gefühl, dass einen auf den Boden der Tatsachen zurückholt und einem bewusst macht, dass Sicherheit in Afrika nicht zur Tagesordnung gehört.

Es hätte schöner nicht sein können, wir fühlten uns sehr wohl und sicher hier in Hout Bay. Wir spazierten am morgen hinunter ins Dorfzentrum, um bei Dario einen Cappuccino zu trinken, wir gingen in den Sanddünen hinter unserem Haus joggen, wir liessen während dem Tag Laptop und Handy im Garten liegen, aktivierten die Alarmanlage erst, wenn wir ins Bett gingen und die Bewegungsmelder im Garten waren sowieso nie an, denn Pfauen lösten immer wieder den Alarm aus, wenn sie den Garten betraten.
Am letzten Dienstag um 22.30 Uhr war es dann soweit und jemand hat versucht, in unser Haus einzubrechen. Basti und ich waren im Wohnzimmer und schauten Tatort. Plötzlich ging die Alarmanlage los, die wir ausnahmsweise bereits aktiviert hatten. Wir sind vom Sofa aufgeschreckt - immerhin waren wir mitten am Krimi schauen - haben den Pfefferspray hervorgeholt und uns im Haus umgeschaut. Ich sagte gleich zu Basti, wir dürfen den Alarm nicht abschalten, da wir nicht wissen, wieso er losgegangen ist. Da kein Fenster und keine Türe eingebrochen waren, gingen wir hinunter in die Garage, wo bereits Neil, der Hausbesitzer wartete. Wir schalteten den Alarm ab und er und Basti gingen mit lediglich einer Taschenlampe bewaffnet um das Haus herum. Ich habe in der Garageneinfahrt gewartet und ich muss sagen, ich habe mich nicht wirklich sicher gefühlt... Gott sei Dank ist dann noch die Frau von Neil, Diane nach draussen gekommen, denn die Sicherheitsfirma ADT rief an und hat gefragt, ob alles in Ordnung sei oder ob sie kommen sollen. Sie meinte dann, es wäre wahrscheinlich alles ok und sie müssten nicht kommen (meistens handelt es sich nämlich um Fehlalarm). Basti und Neil fanden aber im Garten einen Bewegungsmelder, wo die Hülle abgerissen war und so entschied sich Neil, dass ADT doch kommen soll. Er rief zurück und es ging keine 5 Minuten und sie waren da. Neil und der ADT Sicherheitsmann gingen dann in die Dünen und versuchten, den Fussspuren zu folgen. Man sah sehr gut, wo der oder die Typen versucht hatten, auf unser Grundstück zu gelangen und wo sie davon gerannt sind, aber mit der Zeit verliefen sich die Spuren in den Büschen der Düne. Sie konnten niemanden finden und so kamen sie zurück. Der ADT versprach, Wache zu halten und die ganze Nacht herumzufahren. Wir gingen alle wieder ins Haus, informierten noch all unsere Nachbarn via WhatsApp Chat, organisierten JJ – einen unabhängigen Sicherheitsmann, der auch noch Wache schieben sollte und versuchten dann, zu schlafen. Jedoch war bei mir an Schlaf nicht mehr zu denken. Das Gefühl, dass jemand ins Haus kommen will, während du da bist und man nicht weiss, ob der alles in Kauf nimmt oder nicht, ist sehr beunruhigend, vor allem, wenn es das erste Mal passiert.
Nach einer kurzen und unruhigen Nacht und ohne weitere Zwischenfälle bei uns, jedoch in anderen Teilen von Hout Bay, empfingen wir am Morgen darauf Raymond, den Heimwerker, der uns nun eventuell einen elektrischen Zaun hinter dem Haus installieren soll. Neil wollte das nie, denn er wollte sich nicht wie in einem Gefängnis fühlen. Nun zieht er aber in Erwägung, dass die Einbrecher das nächste mal mit einem 6‘000 Volt Elektrozaun begrüsst werden, natürlich nicht ohne Warnschilder aufzustellen, denn so ein Stromstoss ist tödlich. Später ist dann auch noch die Sicherheitsfirma ADT gekommen und hat sich den Bewegungsmelder genauer angeschaut. Der Einbrecher hat die Schutzhülle abgenommen und einen Draht durchgeschnitten in der Hoffnung, dass er so die Alarmanlage ausschalten kann. Das funktioniert aber nicht, denn sobald der Stromkreislauf unterbrochen ist, geht der Alarm ab. Wir hatten zwar die Bewegungsmelder nicht aktiviert, aber da der Stromkreislauf unterbrochen wurde, ging der Alarm dennoch ab. Ansonsten wäre er bis ans Haus gekommen, wo nur die Türen gesichert sind, jedoch keine Fenster. Wir hatten also nochmals Glück. Seit diesem Vorfall sind die Bewegungsmelder immer aktiviert.
Am nächsten Tag früh am Abend, als es gerade dunkel geworden war, gab es dann einen weiteren Versuch bei unseren beiden Nachbarn. Ein Einbrecher löste den Alarm aus, da er auf der Mauer zwischen den beiden Grundstücken war. Unser Nachbar Klint und Neil liefen sogleich nach draussen, um unser Haus herum und weiter die Dünen hinauf, um den Mann zu verfolgen. Basti wollte auch mit, aber er musste bei mir im Haus bleiben, was er weniger lustig fand, denn er würde diese Einbrecher auch gerne jagen:) Ein paar Sekunden später kam ein Sicherheitsmann von ADT und dann wenig später nochmals einer. Beide liefen ebenfalls in die Dünen. Finden konnten sie aber niemanden mehr. Trotz diesem weiteren Versuch konnte ich dieses Mal bestens schlafen, denn man gewöhnt sich doch sehr schnell an solche Sachen und solange die Einbrecher so stümperhaft sind, werden sie auch nicht reinkommen. Zudem ziehen diese Banden anscheinend in Kapstadt von Quartier zu Quartier und wer weiss, vielleicht war es das bereits für dieses Jahr. Zusätzlich werden wir wahrscheinlich noch Kameras und eine Strassenlaterne hinter unserem Haus bekommen, welche von Neighborhood Watch und der Nachbarschaft finanziert werden.
Da die Einbrüche und die Einbruchsversuche hier nicht allzu häufig sind, werden das Haus und die Umgebung nur schrittweise mit neuen Sicherheitsmassnahmen ausgestattet. Etwas passiert, dann werden Massnahmen getroffen, die das verhindern würden, dann passiert das nächste und man macht wieder was usw. Ich denke, das ist eine vernünftige Vorgehensweise, denn erstens kann immer etwas passieren, egal wie fest du dich einschliesst und zweitens will niemand in einem Gefängnis (ausser anscheinend die Einbrecher) leben. Und für uns ist es eine weitere Lektion, dass es hier halt einfach ein wenig anders ist wie zuhause.
Nachtrag (22. Mai 2018)
Nachdem wir gedacht haben, dass es das nun gewesen sei, ist vorgestern wieder die Meldung über den WhatsApp Chat gekommen, dass JJ vier vermummte Typen verfolgt hat, welche dann aber über die Dünen hinter unserem Haus flüchten konnten. Gefunden hat man sie nicht. Heute wurden jedoch die baulichen Massnahmen an unserem Haus fertiggestellt. Wir haben nun einen 7000 Volt Elektrozaun sowie einen Scheinwerfer, welcher den Weg zu den Dünen so hell beleuchtet, dass wir uns künftig vor dem ins Bett gehen mit Sonnencreme eincremen müssen :) Hoffen wir mal dies nützt.
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